Back to the Future!? – Soziale Arbeit 3.0

BAG-Bundestagung 2016 in Gelsenkirchen
Bundestagungen der BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte) stellen das größte und öffentlichkeitswirksamste Rädchen im Netzwerk sozialer Arbeit mit Fußballfans dar.
Entsprechend werden die Gäste und die Themen sorgsam ausgewählt. Möglichst optimaler Output ist gewünscht. Wie wir schon in unserer letzten Ausgabe ankündigten, sollte der Auftakt mit einer Podiumsdiskussion bestritten werden, zu der, neben BAG-Bundessprecher Philip Krüger, weitere hochkarätige Gäste geladen wurden u.a. der Landespolizeidirektor Bernd Heinen, Peter Peters von Schalke 04 / DFL, Peter Römer vom „Transparent“-Magazin, Hendrik Große Lefert als Sicherheitsbeauftragter des DFB sowie insbesondere Christina Kampmann, „unsere“ Ministerin aus Bielefeld,  in NRW verantwortlich für das Ressort Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Letztere zeigte sich während des lebendigen Austausches u.a. offen für die Bemühungen der BAG, für die Jugendsozialarbeit mit Fußballfans das Zeugnisverweigerungsrecht langfristig im Gesetzbuch zu verankern. Überhaupt waren die Podiumsgäste in Streitlaune, die einzelnen Positionen zeigten klare Kante und es legte sich zu keiner Phase ein „Wir haben uns doch alle lieb“-Schleier über die Statements. Egal, ob es um DFB-Ideen wie Kollektivstrafen, polizeiliche Maßnahmen wie Betretungsverbote, den mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit deformierten Begriff der „Prävention“ ging oder den Fanprojekt-Ansatz, mit allen (jugendlichen) Fans im Gespräch bleiben zu wollen oder zu müssen, es knirschte und knarzte an allen Ecken und Enden. Dies war nicht zuletzt der als Moderator verpflichteten Sportreporter-Legende Manni Breuckmann zu verdanken. Dieser beherrschte die Kunst des forschen Intervenierens, wenn ihm Statements zu nebulös oder Falldarstellungen als Halbwahrheiten daher zu kommen schienen.

 

                                (Chr. Kampmann, P. Peters, P. Krüger)


Die fachlich niveauvolle Unterhaltung wurde übrigens schon zuvor dargeboten. Fanforscher Jonas Gabler skizzierte zum Tagungsauftakt zwei fiktive Szenarien, die darstellen sollten, wie sich die Fußballwelt die nächsten 10 Jahre entwickeln könnte. Mit ironischem Unterton entwickelte er gekonnt Überspitzungen zum Gebaren der Fußballverbände, der Sicherheitsinstitutionen und  der Fanszenen selbst und hielt so allen ihren jeweils eigenen Spiegel vor.
Der zweite und dritte Tagungstag fielen da vom Unterhaltungswert naturgemäß ab. Workshop-Phasen sind dafür bekannt, dass sich ihre TeilnehmerInnen, im besten Fall präzise, an Ursachen, Analysen und Lösungsvorschlägen abarbeiten. Thematisch war dies an den aktuellen Problemlagen der Jugendsozialarbeit mit Fußballfans zu leisten. Dazu gehörten die Ausdifferenzierungen vieler Fanszenen einschließlich neuer Gewaltaffinitäten, aber auch Flüchtlingsarbeit sowie ein heutzutage sehr viel höherer Selbstorganisationsgrad der Aktivenszenen. Aufgabenstellungen, die noch angereichert werden durch eine viel umfassendere Erwartungshaltung des gesamten Fanprojekt-Netzwerkes, ergo von Politik, Verbänden und Geldgebern. Organisatorische und inhaltliche Herausforderungen, die sich vor 10-15 Jahren erst langsam abzuzeichnen begannen. Bei im Schnitt keinen drei vollen Stellen je Fanprojekt-Standort allemal einen Diskurs wert.
Mit dem Tagungsort der Veltins-Arena samt Umfeld war zudem eine Location gefunden, welche den Ernst der Tagung mit dem Spaß der Fußballunterhaltung angenehm zu verbinden wusste. Nach einem zufriedenstellenden Resümee entließ Philip Krüger die FanprojektlerInnen in die Gewissheit, dass die Bundestagung 2017 in fast genau einem Jahr am FP-Standort Freiburg stattfinden wird.

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